Welchem Bereich des Unternehmens wird das Lieferantenmanagement zugeordnet?

Bei der Einführung des Lieferantenmanagements stellt sich oftmals die Frage, in welchem Bereich des Unternehmens das Lieferantenmanagement angesiedelt werden soll.
Prinzipiell gibt es dafür mehrere Möglichkeiten, die je nach Zielsetzung ihre Vor- und Nachteile haben.

Abhängig vom Reifegrad des eigenen Unternehmens kann der Erfolg des Lieferantenmanagements maßgeblich vom Bereich abhängen, dem es zugeordnet ist.
Da jeder Bereich beziehungsweise jede Abteilung eines Unternehmens spezielle Vorgaben und Zielsetzungen hat, könnten Einflussfaktoren, die das Abteilungsziel direkt unterstützen stärker fokussiert werden, als gegenläufige Einflussfaktoren.

Welche Faktoren deshalb bei der Zuordnung des Lieferantenmanagements bedacht werden sollten möchte ich im folgenden Artikel erläutern.

Definition und Wichtung der Haupteinflussfaktoren

Wie bereits im Einführungsartikel zum Thema Lieferantenmanagement erläutert, gibt es viele verschiedene (Haupt)Einflussfaktoren. Welche dieser Kriterien dabei durch das Lieferantenmanagement überwacht und gesteuert werden sollen, muss durch den strategischen Regelkreis des Unternehmens, also durch das Management, festgelegt werden. Diese so festgelegten Kriterien müssen sich an den Unternehmenszielen und der strategischen Ausrichtung orientieren, um den größtmöglichen Nutzen aus dem Lieferantenmanagement zu ziehen.
Dabei ist es notwendig, dass die zu beachtenden Einflussfaktoren gewichtet werden.

Beispielsweise wird der Einkaufspreis bei einfachen Produkten, die in sehr hohen Stückzahlen zugekauft werden sicherlich eine höhere Priorität bekommen, als bei hochsensiblen oder gar sicherheitsrelevanten Zukaufteilen, die in geringeren Stückzahlen laufen.
Müssen Schlüsseltechnologien für die Entwicklung eines neuen Produktes durch Lieferanten abgedeckt werden, muss der Faktor Kompetenz stärker berücksichtigt werden.

Diese Überlegungen sind die Basis für die erfolgreiche Einführung eines Lieferantenmanagements im Unternehmen.

Einfluss des Lieferantenmanagers

Die Aufgabe des Lieferantenmanagers ist es, die gesetzten Ziele des Lieferantenmanagements zu überwachen und durch gezielte Maßnahmen zu steuern. Je umfassender die Kriterien für das Lieferantenmanagement gewählt wurden, desto höher sind die Anforderungen an die Kennnisse und Qualifikation des Lieferantenmanagers.

Das Ziel des Lieferantenmanagements ist es ja, ein wichtiges Glied der eigenen Wertschöpfungskette, nämlich die zugekauften Produkte, effektiv und effizient zu steuern und optimal zu nutzen.

Dazu muss der Lieferantenmanager die Prozesse und Bereiche des eigenen Unternehmens sehr gut kennen. Nur dann können alle relevanten Rahmenbedingungen bei notwendigen Entscheidungen berücksichtigt werden. Solche Rahmenbedingungen könnten zum Beispiel verwendete Technologien bei der Weiterverarbeitung oder die Bestellabwicklung sein.

Der Reifegrad des eigenen Unternehmens

Hier kommt der Reifegrad des Unternehmens zum Tragen. In diesem Zusammenhang ist mit Reifegrad gemeint, welche grundlegenden Methoden und Prozesse im Unternehmen implementiert wurden und in wie weit die Prozessorientierung über Abteilungsgrenzen hinweg funktioniert. Je höher der Reifegrad des Unternehmens ist, desto geringer ist die Notwendigkeit für den Lieferantenmanager, alle Einzelheiten der verschiedenen Bereiche und Abteilungen zu kennen, um sinnvolle Entscheidungen treffen zu können.
Durch funktionierende Systeme, Prozesse und Methoden ist dann sichergestellt, dass alle relevanten Rahmenbedingungen bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden.

Die Stichworte hier sind Aufbauorganisation bzw. Ablauforganisation.

Was genau der Reifegrad eines Unternehmens ist und welche Methoden und Modelle zur Bewertung herangezogen werden können, werde ich später in einem eigenen Artikel erläutern.

Weitere Anforderungen an den Lieferantenmanager

Außer der guten Kenntnis des eigenen Unternehmens muss der Lieferantenmanager natürlich Grundkenntnisse über die folgenden Dinge besitzen: 

  • Preisgestaltung
  • Marktsituation
  • Kostenstrukturen
  • eingesetzte Technologien
  • Anforderungen an die zugekauften Produkte
  • Methoden des Qualitätsmanagements

Je nach Wichtung der Kriterien für das Lieferantenmanagement müssen die Kenntnisse des Lieferantenmanagers in einigen Bereichen tiefer gehen.

Fremdsprachenkenntnis, gepflegtes Aussehen und ordentliches Auftreten sollten selbstverständlich sein, da der Lieferantenmanager das Unternehmen nach außen repräsentiert.

Auswahl des richtigen Bereichs

Durch die Verknüpfung der (gewichteten) Kriterien für das Lieferantenmanagement und der notwendigen Qualifikation für die Position des Lieferantenmanagers lässt sich nun der Bereich auswählen, in dem das Lieferantenmanagement am effektivsten eingesetzt werden kann.
Einige sinnvolle Zuordnungen sind dabei:

Zuordnung zum Einkauf

Die Vorteile bei der Zuordnung zum Einkauf sind:

  • gute Kenntnisse über Vertragsrecht, Marktsituation und Preisgestaltung
  • vorhandene Kontakte zum Lieferanten
  • Berücksichtigung der Beschaffungsstrategien für verschiedene Produkte

Nachteile dabei könnten sein:

  • hoher Fokus auf den Einkaufspreis als Kriterium bei Vernachlässigung der anderen Kriterien
  • hoher Fokus auf bestehende Lieferanten beim Lieferantenauswahlprozess
  • fehlende Kenntnisse der Technologien und Methoden bei der Lieferantenentwicklung

Zuordnung zur Logistik/ Supply chain

Vorteile:

  • gute Kenntnisse der Kundenforderungen bezüglich Flexibilität und benötigter Kapazität
  • vorhandene Kontakte zu Lieferanten

Nachteile:

  • hoher Fokus auf Liefertreue und Lieferzeiten bei Vernachlässigung der anderen Faktoren
  • fehlende Technologiekenntnis und Methodenkompetenz

Da in vielen kleineren Unternehmen keine Trennung zwischen Einkauf (Preis) und Logistik (Termin und Menge) gemacht werden kann addieren sich natürlich dann die Vorteile beider Bereiche und die Nachteile heben sich teilweise auf.

Zuordnung zum Qualitätsmanagement/ zur Qualitätssicherung

Vorteile:

  • gute Kenntnis der qualitativen Anforderungen an die Produkte
  • gute Methodenkompetenz bezüglich der Qualitätswerkzeuge
  • Effektive Lösung der Probleme im Reklamationsfall
  • durch die Fertigungsnähe meistens auch Kenntnisse der notwendigen Technologien vorhanden

Nachteile:

  • oftmals fehlende Lieferantenkontakte
  • Fokus auf Qualität unter Vernachlässigung von Lieferfähigkeit und Kosten

Weitere mögliche Zuordnungen:

Neben den oben genannten üblichen Zuordnungen ist es auch denkbar, das Lieferantenmanagement dem Projektmanagement zuzuordnen.
Liegt der Fokus klar im Lieferantenauswahlprozess beziehungsweise bei der Neuentwicklung von Produkten kann diese Zuordnung sogar notwendig werden.

Abhängig von der Größe des Unternehmens kann das Lieferantenmanagement als eigenständiger Bereich neben anderen Bereichen existieren.
Die Vorteile durch die Gleichberechtigung aller festgelegten Kriterien werden aber schnell durch gestiegene indirekte Kosten kompensiert und ein eigenständiges Lieferantenmanagement neben Einkauf, Logistik und Qualität ist oftmals einfach zu teuer.

Zusammenfassung

Die Zuordnung des Lieferantenmanagements zu einem existierenden Bereich im Unternehmen ist ein komplexer Prozess mit vielfältigen zu berücksichtigenden Einflussfaktoren. Dabei muss die Zuordnung des Lieferantenmanagements sehr sorgfältig durchdacht und geplant werden. Die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Bereich ist ausschlaggebend für den Erfolg des Lieferantenmanagements und beeinflusst viele weitere Entscheidungen und Herangehensweisen.
Dabei gilt jedoch, je höher der Reifegrad des Unternehmens ist und je umfassender die Prozess- und Unternehmenskenntnisse des Lieferantenmanagers sind, desto geringer ist der Einfluss der Zuordnung auf den Erfolg und die Arbeitsweise des Lieferantenmanagements.

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